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AUFBRUCH DER AUTORINNEN II

Vorstellung von Heft 68 der Zeitschrift Frauen und Film

AUFBRUCH. REGISSEURINNEN DER 60ER


Film Le Bonheur, Frankreich 1965, Regie Agnès Varda, 79 Min.


Zu Gast sind die Herausgeberinnen des Heftes, Borjana Gaković und Sabine Schöbel (Berlin)

Gezeigt wird der Film Le Bonheur, Frankreich 1965, Regie Agnès Varda, DCP, französische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Die neue, digitale Restaurierung wurde nach den Vorgaben der Regisseurin ausgeführt.


Eine Veranstaltung der Kinothek Asta Nielsen e.V. in Zusammenarbeit mit Mal Seh’n Kino und Stroemfeld Verlag


Mal Seh’n Kino

Sonntag, 29.1.2017

Matinée 14 Uhr


Im Herbst 2015 fanden im Zeughauskino Berlin ein Festival und eine Tagung statt, die sich dem Aufbruch der Autorinnen – Die Regisseurinnen der 60er Jahre in Europa und die Heldinnen ihrer Filme widmeten. Konzept und Programm waren von Sabine Schöbel unter Mitarbeit von Borjana Gaković entwickelt und realisiert worden.

Die Filme, die auf dieser einmaligen Veranstaltung liefen, die Vorträge und Gespräche, die stattfanden, bildeten die Basis für dieses Frauen und Film-Heft. Im Herbst 2016 folgte ein zweiter Teil der Filmreihe, ebenfalls im Zeughauskino. Agnès Vardas früher Film Le Bonheur wurde in dieser Retrospektive gezeigt.


Aus dem Editorial von Frauen und Film Heft 68

Die Nouvelle Vague, der italienische Autorenfilm, das Free Cinema, der Neue Deutsche Film, die tschechoslowakische Neue Welle, das Aufbruchskino in Skandinavien, in Polen, Jugoslawien, Bulgarien, Rumänien und Ungarn, sowie das «Tauwetter»-Kino der Sowjetunion werden zumeist mit ihren männlichen Vertretern assoziiert. Weit weniger präsent ist die Tatsache, dass sich damals auch junge Frauen als Regisseurinnen beweisen konnten. In den jeweiligen nationalen Kinematografien stellt das Werk dieser Regisseurinnen ein singuläres Phänomen dar, in der Gesamtschau stellt sich aber das Bild einer bislang unbeachteten Generation europäischer Filmmacherinnen ein.

Borjana Gaković, Sabine Schöbel


Agnès Varda über Le Bonheur

Bilder einer glücklichen Familie. Dann lernt der Mann eine zweite Frau lieben. Seine erste Frau kann nicht akzeptieren, dass er beide gleichzeitig liebt, sie kommt ums Leben. Die andere Frau wird dem Mann Ehefrau, den Kindern die Mutter. Ich bin ausgegangen von ganz kleinen, winzigen Impressionen, von fast nichts: von Familienfotos. Detailliert sieht man da Leute, eine Gruppe von Personen, alle um einen Tisch, unter einem Baum, sie haben ihre Gläser erhoben und lächeln, während sie in die Kamera schauen. Wenn Sie das Foto betrachten, sagen Sie sich: Das ist das Glück. Ein Eindruck nur, eine Impression.

Agnès Varda, Cahiers du Cinéma Nr. 165/1965


Frieda Grafe in Filmkritik

Wer hätte gedacht, dass die plane Realitätsabschilderung, die sich die meisten Filme angelegen sein lassen, eines Tages durch einen bewussten Kopisten ad absurdum geführt würde? Agnès Varda komponiert Einstellungen à la Renoir (Auguste) sie arrangiert geleckte Sequenzen, die einem Modejournal zur Ehre gereichen könnten - dazwischen strahlt die Leinwand auf im reinsten Rot oder im reinsten Weiß als zubereitete Fläche, die auf den nächsten «Eindruck» wartet -, sie fotografiert einen Bogen Briefmarken ab, jede einzelne ein Chagall, sie reproduziert ein Stück aus Renoirs (Jean) Le Déjeuner sur l'herbe auf dem Fernsehschirm, in Farbe versteht sich, und sie kopiert sogar noch ein Stück des Glücks der Familie Drouot, so heißt nämlich die Filmfamilie in Wirklichkeit. Das Ganze ist unterlegt mit Mozartmusik, denn das Rokoko gilt als eine glückliche Zeit. Die Varda nimmt die Vorstellungen beim Schopf und zeigt sie als die Realitäten, die sie sind. Die fabrizierte Welt ihres Films gibt sich als Imitat, in dem nicht die Details den Ausschlag geben, sondern die Kraftlinien, die aus ihrem Arrangement entstehen: Entworfen wird das Schema der gelassenen Grausamkeit bürgerlicher Glücksvorstellung, weil ohne den üblichen komplementären Idealismus Schiller'scher Spielart. Außerdem liefert der Film Beiträge zur Genese der von der Reklame verwalteten Picknick-Ideologie, beschworen in Bildern, die eben nicht «reine Natur» sind, sondern die von den Impressionisten dargestellte Lebensfreude wahrmachen.

Frieda Grafe, Filmkritik Nr. 104/1965


Frauen und Film

ist eine feministische filmtheoretische Zeitschrift. Sie wurde 1974 von Helke Sander in Berlin gegründet und wird seit 1983 in Frankfurt am Main herausgegeben.

www.frauenundfilm.de


AUFBRUCH DER AUTORINNEN – DIE REGISSEURINNEN DER 60ER JAHRE UND DIE HELDINNEN IHRER FILME