Aufbruch der Autorinnen II – Regisseurinnen der 60er in Europa

Festival, Gespräche, Buchvorstellung

27.10. – 30.10.2016

Zeughauskino im Deutschen Historischen Museum


Die Retrospektive AUFBRUCH DER AUTORINNEN. Die Regisseurinnen der 60er Jahre und die Heldinnen ihrer Filme, die im Herbst 2015 im Zeughauskino des Deutschen Historischen Museums zu sehen war, versammelte einundzwanzig Spielfilme von achtzehn Regisseurinnen aus sieben Ländern. Das umfangreiche Programm widmete sich der weitgehend unbekannten Tatsache, dass es im geteilten Europa bereits in den 60er Jahren einer ersten Generation junger Frauen gelang, abendfüllende Spielfilme zu drehen. Die von Sabine Schöbel kuratierte Retrospektive stellte erstmalig die Werke dieser Einzelkämpferinnen in einen Zusammenhang und brachte ein vielseitiges, internationales Panorama weiblicher Lebensentwürfe auf die Leinwand: Ein anderes, um die weibliche Perspektive erweitertes europäisches Aufbruchskino wurde sichtbar.


Filmprogramm: Aufbruch der Autorinnen II

Anlässlich der Präsentation der Publikation zu der vom Hauptstadtkulturfonds geförderten Veranstaltung und zum Abschluss des Projektes werden vom 27. bis 30. Oktober 2016 noch einmal insgesamt fünfzehn lange und kurze Filme von Regisseurinnen der 60er im Zeughauskino zu sehen sein. Diese weichen vom Muster der umfassenden Filmreihe 2015 ab: Es stehen nicht mehr ausschließlich abendfüllende Spielfilme mit weiblichen Heldinnen auf dem Programm,  sondern auch Spielfilme mit männlichen Hauptfiguren – so z.B. der Eröffnungsfilm Nattlek / Verschwiegene Spiele von Mai Zetterling (Schweden 1966), Zur Sache, Schätzchen von May Spils (BRD 1968) oder Le bonheur – Glück aus dem Blickwinkel des Mannes von Agnès Varda (Frankreich 1964). Auch ein im Kollektiv entstandener Film, Zwickel auf Bizyckel (BRD 1968/97) von den Applwoi Motion Pictures, wird zu sehen sein.


Darüberhinaus werden experimentelle und narrative Erstlingswerke präsentiert: etwa Subjektitüde von Helke Sander (BRD 1966), Fundevogel von Claudia von Alemann (BRD 1967), Abstand von Jeanine Meerapfel (BRD 1966), Das Portrait von May Spils (BRD 1966) oder Wir lassen uns scheiden von Ingrid Reschke (DDR 1968); außerdem Dokumentarfilme, die unter besonderen Umständen entstanden: Istenmezején 1972-73-ban / Istenmezeje – Ein ungarisches Dorf 1972-1973 von Judit Elek (Ungarn 1973) oder Claudia von Alemanns Das ist nur der Anfang, der Kampf geht weiter (BRD 1969). Für den Sprung in die Programmatik und Filmästhetik der 70er Jahre stehen Márta MészárosSzép lányok, ne sírjatok! / Schöne mädchen, weinet nicht! (Ungarn, 1970) und Helke Sanders Eine Prämie für Irene (BRD 1971).

Ein Abend ist Věra Chytilová  gewidmet mit ihrer halblangen Auftragsarbeit Pytel blech / Ein Sack voll Flöhe (ČSSR 1962) und dem Portrait der Grande Dame der tschechoslowakischen Neuen Welle Cesta – Portrét Věry Chytilové / Journey: A Portrait of Famed Czeck New Wave Director Věra Chytilová  (ČR 2004) von Jasmina Blažević.


Gespräche / Podiumsdiskussionen

Auch in diesem Jahr hat AUFBRUCH DER AUTORINNEN den Charakter einer Zusammenkunft. Die Gesprächsrunden jeweils eine Stunde vor Programmbeginn bieten erneut die Möglichkeit zur Reflexion, Austausch und Diskussion.

Im Anschluss an den Eröffnungsfilm und anlässlich des Welttags des audiovisuellen Erbes findet am 27. Oktober ein Gespräch mit Karola Gramann (Kinothek Asta Nielsen e.V.), Barbara Teufel (Pro Quote Regie e.V.) und einem/einer Vertreter/in der Deutschen Kinemathek zum Erbe der Frauenfilmgeschichte statt.


Eine Diskussion am 30. Oktober mit Vertreterinnen von Pro Quote Regie (Tatjana Turanskyj, Maria Mohr u.a.) bildet den Abschluss des Projekts. Dabei kommen sowohl Perspektiven der feministischen Filmarbeit im Kino zur Sprache als auch das aktuelle Filmschaffen von Regisseurinnen in Deutschland. Die Forderung nach dem Gendermonitoring in öffentlicher Filmförderung und Filmprogrammierung und gegenwärtige Diskussion um die anstehende Neuformulierung des Filmfördergesetztes, das 2017 in Kraft tritt, sind Thema.


Buchvorstellung

Am Sonntag, den 30. Oktober wird die 68. Ausgabe der Zeitschrift Frauen und Film unter dem Titel AUFBRUCH. Regisseurinnen der 60er präsentiert. Zu Gast begrüßen wir die Herausgeberin Heide Schlüpmann. Der Band versammelt auf mehr als 200 Seiten Texte von über zwanzig Autor*innen, die sich auf verschiedenste Weise dem Erbe des Aufbruchskinos aus Frauenperspektive nähern: Neben Interviews mit den 60er-jahre-Autorinnen und einer ganzen Reihe wissenschaftlicher Texte und Essays, sind auch Reprints aus den feministischen Publikationen der 70er, 80er und 90er Jahre zu lesen. Darüber hinaus dokumentiert die FuF 68 das vollständige Programm der Retrospektive AUFBRUCH DER AUTORINNEN 2015 sowie eine Niederschrift der am 15. November 2015 stattgefundenen abschließenden Podiumsdiskussion, bei der Berliner Kino-, Festival- und Filmemacherinnen und Autorinnen eine Brücke von der gegenwärtigen Rezeption der Filme der 60er Jahre zur Berliner Kino- und Festivalgeschichte und zur heutigen Situation der Frauen im Filmgeschäft schlagen.


Die Filmreihe AUFBRUCH DER AUTORINNEN nimmt somit erneut historische und ästhetische Grenzbereiche des Aufbruchskinos der 60er aus weiblicher Perspektive in den Blick und gibt den Anstoß für weitere Forschungen.


Die Teilnahme an der Veranstaltung haben bereits Helke Sander, Claudia von Alemann, Jasmina Blažević, Karola Gramann, Heide Schlüpmann, Tatjana Turanskyj, Barbara Teufel, Maria Mohr zugesagt.

Das vollständige Programm ist unter Aktuell abrufbar.


Veranstaltungsort

Zeughauskino im Deutschen Historischen Museum, Berlin


Konzept/Programm

Dr. Sabine Schöbel


Die Veranstaltung wird mit Mitteln des Hauptstadtkulturfonds realisiert. Der Filmabend zu Věra Chytilová  ist eine Kooperation mit dem Tschechischen Zentrum Berlin.


Weitere Informationen: Borjana Gaković (Presse) dosta@gmx.net, Sabine Schöbel sasch@sasch-berlin.de


Bildnachweis: Pytel Blech© Národni filmový arhiv; Nattlek © Europe’s Finest; Cesta © negativ film

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Filmfestival // Filmreihe 2015

Aufbruch der Autorinnen

Die Regisseurinnen der 60er Jahre in Europa und die Heldinnen ihrer Filme


Im Osten wie im Westen steht das Kino der 1960er Jahre für die Konflikte und die gesellschaftliche Emanzipation dieser Dekade. AUFBRUCH DER AUTORINNEN widmet sich als Festival, kommentierte Filmreihe und Tagung der weitgehend unbekannten Tatsache, dass in diesem Kino nicht nur die Rebellion der Söhne gegen die Väter zum Ausdruck kommt, sondern dass es zugleich einer ersten Generation von jungen Frauen gelang, als Autorinnen abendfüllende Spielfilme zu drehen.


Das von Sabine Schöbel kuratierte Festival präsentiert die Geschichten und Ästhetiken der Regisseurinnen der European Sixties in über 30 Veranstaltungen mit 21, teilweise unbekannten, teils neu restaurierten und untertitelten Spielfilmen mit weiblichen Heldinnen. Diese Zusammenschau ermöglicht es, sie heute als eine erste Generation von Filmemacherinnen in Europa wahrzunehmen. Das vielgestaltige Panorama weiblicher Lebensentwürfe macht auf überraschende Weise deutlich, dass es bereits in den 1960er Jahren eine die politischen Blöcke überspannende, internationale Kinemathographie des weiblichen Blicks gibt.


Im Programm sind Filme von Mai Zetterling, Nelly Kaplan, Věra Chytilová, Márta Mészáros, Paula Delsol, Judit Elek, Livia Gyarmathy, Ula Stöckl, Lina Wertmüller, Liliana Cavani, Kira Muratova, Marguerite Duras, Anna Gobbi, Agnès Varda, Larisa Shepitko, Muriel Box, Helma Sanders-Brahms und Nadine Trintignant vertreten.


Die Vorführung der Filme wird von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm begleitet, das Einführungen, Filmgespräche und eine Podiumsdiskussion umfasst. Ula Stöckl und Nelly Kaplan werden ihre Filme persönlich vorstellen. Als Filmpatinnen schlagen Vertreterinnen der Berliner Frauenfilmgeschichte ganz persönlich die Brücke zum Filmschaffen von Frauen und zur Filmrezeption der Gegenwart. Die Veranstaltungen des Auftaktwochenendes werden von den Kooperationenpartnerinnen Heide Schlüpmann und Karola Gramann (Kinothek Asta Nielsen e.V.), Sabine Nessel (Universität Mainz) und Silke J. Räbiger (Internationales Frauenfilmfestival Dortmund | Köln) und der Zeitschrift Frauen und Film begleitet. Das Festival wird vom Hauptstadtkulturfonds gefördert.


GESPRÄCHE, VORTRÄGE, ABSCHLUSSPODIUM

Das einen Monat andauernde Festival startet mit einer Zusammenkunft von Vertreterinnen der Berliner Filmgeschichte, Regisseurinnen, Filmexpertinnen und ZuschauerInnen. Jasmila Žbanić, Gewinnerin des Goldenen Bären 2006, eröffnet am 15. Oktober das Event. Die Tage darauf finden bei freiem Eintritt kleinere Vorträge und Gesprächsrunden statt, die die Möglichkeit

bieten, das Konzept des Festivals kennen zu lernen und die Filmerfahrungen des Vortags Revue passieren zu lassen. Unter anderem werden Helke Sander und Iris Gusner aus Fantasie und Arbeit vorlesen, Gaby Babić moderiert die abschließende Gesprächsrunde. Themen sind der Vergleich der Filme aus Ost und West, die Frage nach einer internationalen weiblichen Perspektive auf die 1960er Jahre und die Lebensumstände der jungen Filmemacherinnen in den verschiedenen Ländern. Am 15. November findet um 16 Uhr eine Abschlussdiskussion mit Berliner Expertinnen statt, die die Filme der Retrospektive in Bezug setzen zum Filmschaffen und zur feministischen Frauenfilmarbeit der 1970er Jahre. Auch die gegenwärtige Situation von Filmemacherinnen soll Thema sein.

The Rise of Women in Film (Aufbruch der Autorinnen)

1960s Women Directors in Europe and the Protagonists of their Films


Both in the East and in the West, cinema in the 1960s reflected the conflicts and societal upheaval characteristic of the decade. THE RISE OF WOMEN IN FILM is the focus of this festival, a series of screenings with discussions and conference delving into the widely unknown fact that not only did sons rebelled against their fathers in their films in the 60s, but, a generation of young women managed to realised revolutionary feature films too.


This festival, curated by Sabine Schöbel, presents historical and aesthetic contributions made by women directors in Europe in the 1960s in more than 30 events, including the screenings of 21 feature films with one or more female leading characters. Some of these works are relatively unknown. Some have been recently restored and subtitled. By examining these films together, it is possible to attain an overview of this first generation of women filmmakers in Europe. The very varied lifestyles their female protagonists lead on screen shows, in a surprising manner, to what extent, as early as the 60s, an array of films offered viewers a female perspective of developments in that tumultuous period in the different political systems in Europe.


The programme consists of films by Mai Zetterling, Nelly Kaplan, Věra Chytilová, Márta Mészáros, Paula Delsol, Judit Elek, Livia Gyarmaty, Ula Stöckl, Lina Wertmüller, Liliana Cavani, Kira Muratova, Marguerite Duras, Anna Gobbi, Agnès Varda, Larisa Shepitko, Muriel Box, Helma Sanders-Brahms and Nadine Trintignant.


The screenings will be accompanied by in-depth discussions about the films as well as a podium discussion. Ula Stöckl and Nelly Kaplan will present their own work personally. As two of our film-godmothers of women's film history, they will personally attend and provide insights into female perspectives of making films as well as reflecting how said works are perceived today. Events during the first week of the festival will be accompanied by introductions and discussions with our partners, Heide Schlüpmann and Karola Gramann of the Kinothek Asta Nielsen e.V., Sabine Nessel, Universität Mainz and Silke J. Räbiger, of the Internationales Frauenfilmfestival Dortmund | Köln. The festival was made possible with a grant from the Hauptstadtkulturfonds.

AUFBRUCH DER AUTORINNEN II

Aufbruch der Autorinnen (The Rise of Women Directors) was a festival in which, over the course of a few weeks in the autumn of 2015, twenty feature films by women realised in the 1960s were shown. The entire film series, an in-depth look at both the directors' work and their female protagonists, provided a glimpse of various notions of female existence in Europe during that decade. To round the programme off, a number of films will be shown that were not encompassed in last year's series: works by women directors that are not full-length features with a female protagonist, films with a male main character, works by a filmmakers' collective as well as both longer and shorter first films and documentaries that are crucial to that woman's oeuvre. This series of films, curated by Sabine Schöbel, also takes another look at what lies between genres. Both the assumed and the obvious shifts in film history in the early 1970s as well as developments in feature, documentary and experimental film in the 1960s play an important role in these films.

The event will, as was the case last year, be a gathering of interested parties: audiences, experts and makers of films will be able to interact with each other. One hour before each day's screening, there will be an opportunity to discuss the previous programme.

AUFBRUCH DER AUTORINNEN – DIE REGISSEURINNEN DER 60ER JAHRE UND DIE HELDINNEN IHRER FILME